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Journal · Post #023 · Interview & Strategie
Patron von GOTT WALD · im Gespräch

„Glanz ist nicht Substanz."

Der Patron über die Steueroasen-Lüge — und warum Georgien kein Fluchtort, sondern eine Frage der Souveränität ist

Dubai bröckelt. Nordzypern ist eine Grauzone. Die Schweiz nähert sich über neue Abkommen Schritt für Schritt der EU an. Und während Verkäufer weiter Hochglanz versprechen, bleibt die unbequeme Frage: Wohin mit einem Vermögen, das man über Jahrzehnte aufgebaut hat? Ein Gespräch mit dem Patron der GOTT WALD Holding LLC — über falsche Häfen, die Wegzugsfalle des deutschen Fiskus und einen Begriff von Freiheit, der mit keinem Steuersatz zu kaufen ist.

Ein Interview von Theresa Falk · 5. Juni 2026 · ca. 18 Min. · GOTT WALD Journal

Die Steueroasen-Lüge — Mathias Gottwald im Gespräch über Georgien, Dubai und Nordzypern

Es ist ein Gespräch, das schnell die übliche Tonlage verlässt. Wer einen Verkaufspitch für ein Zielland erwartet, liegt falsch. Mathias Gottwald — im eigenen Außenauftritt konsequent „Patron" statt CEO oder Gründer — redet weniger über Steuersätze als über Strukturen, Geschichte und Haltung. Und er widerspricht den Prämissen mancher Frage, bevor er sie beantwortet. Genau das macht das Gespräch interessant.

1. Substanz statt Briefkasten

Herr Gottwald, die Frage, die jeder kritische Leser zuerst stellt: Seit wann sind Sie in Georgien — und ist die GOTT WALD Holding dort echte Substanz oder ein Briefkasten?

Vorbereitet habe ich diesen Schritt seit 2018, gemeinsam mit zwei Freunden — wir waren zu dritt. Seit Dezember 2024 ist die GOTT WALD Holding eine operative LLC in Georgien, mit echter Substanz: eigenes Büro, eigenes Netzwerk. Über unsere Plattform gottwald.world arbeiten wir mit mehr als 400 Menschen — Stand heute eher Richtung 700 —, und zwar nicht als klassische Festangestellte. Wer bei uns registriert ist, bekommt über das Backend neue Ausschreibungen passend zu seinem Profil. Brauchen wir einen UX-Designer, sehen alle UX-Designer den Auftrag mit allen Parametern und entscheiden selbst, ob sie andocken. Das ist ein globales Netzwerk — von Australien über Fidschi, Peru, Kanada, Europa, Südafrika bis Asien. Aber gesteuert wird alles aus einem Punkt: Tbilisi.

Eine bemerkenswerte Konstruktion: ein weltweites, projektbasiertes Netzwerk, dirigiert aus der georgischen Hauptstadt. Der Vorwurf des „Briefkastens", der bei solchen Strukturen reflexhaft fällt, läuft hier ins Leere — die operative Substanz sitzt im Büro vor Ort und im Backend der Plattform.

Warum „Patron" und nicht CEO oder Gründer?

In meiner Sprache sind CEOs bezahlte Zeiger an einer Uhr, die laufen, damit am Ende die Quote stimmt. Das bin ich nicht. Und „Gründer" ist mir zu wenig — etwas gegründet zu haben heißt nicht, es zu leben. Ein Patron ist jemand, der etwas schützt, behütet, für etwas sorgt. Der dafür einsteht, dass das, was strukturell und essenziell ist, bestehen bleibt — und werteorientiert wächst. Hier geht es nicht um Quick Cash, sondern um Schutz: von Ehrlichkeit, Klarheit, Wahrheit, Offenheit, Transparenz. Und vor allem um den Schutz unseres Systems.

Sie verdienen an genau diesem Thema. Ein Gespräch kostet ab 111 Euro, die Holding lebt von Mandaten. Warum sollte Ihnen jemand glauben, der Ihnen nicht ohnehin vertraut?

Die 111 Euro sind eher ein symbolischer Beitrag. Wenn ich anschaue, was diese Zeit wert ist, dürfte ich sie zu dem Preis gar nicht anbieten. Bei Mandaten rufe ich zwischen 500 und 700 Euro die Stunde auf — überlegen Sie, mit welcher Hingabe ich dasselbe für 111 Euro jedem Menschen anbiete, der kommt. Mir muss niemand glauben. Entweder jemand versteht, was ich kommuniziere, hat seine Fragen und Themen — oder eben nicht. Das ist genau das Problem unserer Gesellschaft: dass wir zu sehr darauf schauen, was andere denken. Wir sind werteorientiert, nicht gewinnorientiert.

Ist das 111-Euro-Gespräch nicht trotzdem der Trichter ins teure Mandat?

Nein. Eins zu eins — ein Mensch mit dem anderen, und zusammen ist man eins und bewegt etwas. Die hochpreisigen Mandate hängen nicht an diesem Gespräch. Die 111 Euro sind bewusst so gewählt, damit auch der Kleine die Informationen bekommt, an denen die Großen hängen. Eine niedrige Eintrittsschwelle — für den Einzelunternehmer, der heute noch in Deutschland sitzt und überlegt, ob Georgien oder ein anderes Land für ihn relevant ist, aber keine 600, 700 Euro die Stunde zahlen kann. 111 Euro dafür, dass sich ein Leben verändern kann — das ist fair.
Zahlen, die das Gespräch tragen
9 %

VAE-Körperschaftsteuer seit 1.6.2023 auf Gewinne über 375.000 AED — vorher 0 %.

UAE Federal Decree-Law 47/2022

47,5 %

der Großeinlagen wurden bei der Bank of Cyprus 2013 über Nacht einbehalten.

Zypern-Bail-in 2013

1 % / 3 %

georgische Kleinunternehmer-Steuer bis bzw. über 500.000 GEL Jahresumsatz.

Tax Code of Georgia, Art. 79, 82

2. „Es ist alles auf Sand gebaut"

Der Weckruf, sagt Gottwald, sei keiner — eher eine Daueraufgabe. Seit 2017 berate und unterstütze er Menschen dabei, ihre Strukturen so zu legen, dass der Staat nicht unbegrenzt zugreife. Tatsächlich verschärft sich die Lage gerade auf beiden Seiten: In Deutschland sind 2025 die Regeln zur Wegzugsbesteuerung verschärft worden, und auch Georgien hat seine Vorgaben für Einzelunternehmer nachgezogen — der physische Ort der Leistungserbringung bleibt das entscheidende Kriterium.

Was ist der teuerste Irrtum, den Sie bei Unternehmern immer wieder sehen?

Der Glaube, das System, das ihnen vor die Nase gesetzt wurde, sei das einzige, das sie bedienen müssen. Über 90 Prozent der KMU im DACH-Raum denken so. Es gibt großartige Handwerker, Ingenieure, Entwickler, Coaches — und sie werden von Steuern, Auflagen und Regularien so erdrückt, dass sie im globalen Wettbewerb gar nicht mithalten dürfen. Im DACH-Raum ist der Unternehmer der Knecht: Er trägt das ganze Risiko, steht für alles gerade — und verdient pro Stunde, rein für seine Arbeitsleistung, am wenigsten von allen. Da läuft etwas falsch. Wer das erkennt, baut sich ein zweites Standbein außerhalb dieser Strukturen — nicht zur Flucht, sondern um wieder Herr im eigenen Unternehmen zu sein.

Dubai gilt vielen noch als sicherer Hafen. Sie sehen das anders.

Ich warne seit 2018, 2019 davor, seit sich geopolitisch etwas verschoben hat: Dubai ist auf Sand gebaut. Es ist eine Illusion, die künstlich am Leben gehalten wird — und wenn das kracht, geht es unter. 2022 habe ich Freunde gewarnt, die mir nahestanden. Sie waren blind. Heute schauen wir, wo wir stehen: Der Immobilienmarkt ist unter Druck. Früher null Steuern, dann kam die Körperschaftsteuer — und jetzt wirbt man darum, dass die Unternehmer zurückkommen und investieren.

Hier ist eine Präzisierung nötig, die Gottwald selbst einfordert: Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zum 1. Juni 2023 erstmals eine föderale Körperschaftsteuer eingeführt — neun Prozent auf Gewinne über 375.000 AED (Federal Decree-Law 47/2022). Und die Region bleibt geopolitisch exponiert: Nach dem Ausbruch des Konflikts USA–Iran Ende Februar 2026 geriet der Dubai-Markt sichtbar unter Druck.

Redaktionelle Einordnung: Der DFM-Real-Estate-Index — er bildet die Aktien börsennotierter Entwickler wie Emaar ab — verlor im Frühjahr 2026 nach Kriegsausbruch rund 21 % (von ca. 16.700 auf ~13.350 Punkte, Stand 9.3.2026). Die physischen Immobilienpreise korrigierten in dieser Phase deutlich moderater (etwa 4–5 %). „Unter Druck" gilt also vor allem für die Entwickler-Aktien und die Transaktionsdynamik, nicht eins zu eins für die Quadratmeterpreise. (Quelle: DFM-Handelsdaten / Marktberichte Q1 2026.)

Es gibt ein Wort, das dem Vater des heutigen Herrschers zugeschrieben wird: Sein Großvater ritt auf dem Kamel von Düne zu Düne. Sein Vater fuhr den ersten Mercedes. Er selbst fährt Mercedes. Und doch weiß er: Seine Enkel werden wieder Kamele durch die Dünen reiten. Weil alles in Zyklen läuft — ganz hoch, ganz runter. Und was auf Sand gebaut ist, landet im Sand. Diese Infrastruktur hat kein Fundament. Man hat aus dem Sand nie Stein gemacht. Je mehr man draufdrückt, desto mehr rutscht man.

„Da wurde mit viel Geld viel Glanz erzeugt. Aber Glanz ist nicht Substanz. Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen."

Gottwald war vor Ort, hat nach eigener Aussage Gespräche auf echter Führungsebene geführt — nicht mit selbsternannten Investment-Coaches, sondern mit Entscheidern. Fair bleibt er trotzdem: Dubai werde „auf eine gewisse Weise" weiterfunktionieren. Den Status des sicheren Hafens aber habe es verloren.

3. Nordzypern: ein Versprechen ohne Grundbuch

Schärfer wird der Ton bei Nordzypern. Gottwald nennt es ein faktisch annektiertes, von keinem Staat der Welt außer der Türkei anerkanntes Gebiet — und verweist auf die geopolitische Lage. Diese ist real und überprüfbar: Bei einem trilateralen Gipfel in Jerusalem am 22. Dezember 2025 vereinbarten Israel, Griechenland und die Republik Zypern, ihre Sicherheits- und Verteidigungskooperation zu vertiefen; einen militärischen Arbeitsplan für 2026 unterzeichneten die drei am 28. Dezember 2025 in Nikosia — vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit der Türkei. Das östliche Mittelmeer ist, nüchtern betrachtet, ein Spannungsraum.

Bringen Sie das Eigentumsproblem für einen Laien auf den Punkt.

Die Frage sollte man sich selbst stellen: Wer glaubt ernsthaft, dass auf einer nicht anerkannten Insel echtes Recht und echte Ordnung bestehen? Genau die fehlende Anerkennung macht es zur Grauzone — und damit zum erträumten „unabhängigen Hafen", der in Wahrheit eine Kriegszone ist, wirtschaftlich wie physisch. Firmenkonstrukte mit Konten kann man verlagern. Aber alles Physische — Immobilien, und erst recht der Lebensmittelpunkt — heißt, mit seinem Geld und seinem Leben Russisch Roulette zu spielen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man verliert, ist nahezu hundert Prozent.

Sie verweisen oft auf Zypern 2013, als bei der Bank of Cyprus über Nacht 47,5 Prozent der Großeinlagen einbehalten wurden. Warum ist das für Sie der entscheidende Beleg?

Einer meiner Mentoren hat mir beigebracht: Lerne die Geschichte, verstehe die Geschichte, lebe in der Gegenwart, kreiere die Zukunft. Wer keine Geschichte kennt, nimmt die Gegenwart nicht wahr und kann keine Zukunft gestalten. Zypern 2013 ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Es wird wiederkommen — und beim nächsten Mal wird es vor allem die treffen, die auf schnellen Gewinn gesetzt haben, ohne ihre Hausaufgaben zu machen. Wer die Geschichte kennt, kennt auch die Zukunft.

4. Georgien: Stärke — und ehrliche Grenzen

Der zentrale Teil des Gesprächs. Was macht Georgien anders?

Georgien hat Substanz, eine Geschichte, eine eigene Position. Ich kenne die Ministerebene, habe Entscheider kennengelernt, die sich bewusst weder pro Europa noch pro Russland definieren. Sie sagen: Wir sind die Schweiz Eurasiens. Ich glaube sogar, sie sind besser als die Schweiz — international verbunden, sie reden mit allen, mit Russen, Europäern, Chinesen, und machen mit allen Geschäfte. Aber sie bleiben sich treu. Das kommt aus ihrer jüngeren Geschichte: Der Krieg 2008 ging durch alle Familien. Die heute führende Generation will das ihren Kindern und Enkeln ersparen. Daraus folgt ein bewusst diplomatischer, freier Weg — ein Land, das nicht betteln will, sondern in Schönheit und Klarheit wachsen will. Ich war dort. Ich habe es gesehen. Es ist nicht eine einzelne Struktur — es ist ein Kollektiv, eine ganze Gesellschaft, die durch echtes Leid gegangen ist.

Dann der Realitätscheck — und hier zeigt sich, dass dieses Gespräch kein Werbeprospekt ist.

Die 1-Prozent-Regel. Ehrlich erklärt, ohne falsche Hoffnung.

Ich würde nie sagen „1 Prozent für alle" — das wäre eine Lüge. Der Status für Kleinunternehmer gilt bis 500.000 GEL Jahresumsatz; darüber werden es 3 Prozent. Und er gilt nicht für jede Tätigkeit — bestimmte Branchen sind ausgeschlossen. Deshalb steht am Anfang immer die Analyse: Wer macht was? Wo ergibt eine Verlagerung überhaupt Sinn? Welche Tätigkeit gehört zu welcher Branche, was ist am Ende von was zu versteuern? Es gibt kein Pauschalrezept. Aber für jeden ein machbares Rezept. Wer mit Verstand auf einer anderen Ebene organisiert, verschafft dem kleinen Unternehmer einen Zugang zu Strukturen, die bisher nur den ganz Großen offenstanden.

Und die territoriale Besteuerung? Verkauft wird sie als „komplett steuerfrei". Stimmt das?

Nein, und das sage ich auch so. „Komplett steuerfrei" ist eine Lüge. Passives Auslandseinkommen bleibt in der Regel steuerfrei. Aber Arbeit, die ich physisch in Georgien leiste, gilt als georgische Quelle und ist steuerpflichtig — auch wenn der Kunde im Ausland sitzt und das Geld nie nach Georgien fließt. Es geht überhaupt nicht darum, keine Steuern zu zahlen. Im Gegenteil: Steuern zu zahlen ist mir wichtig, weil ein System am Laufen gehalten werden muss, von dem alle profitieren. Der Unterschied ist nur, ob dieser Apparat übergriffig wird — wie im DACH-Raum, wo am Ende oft nur die Hälfte bleibt, von bereits versteuertem Geld — oder ob er fair und planbar ist. Ich nenne das Fairplay: für beide Seiten. Überlebt der Unternehmer nicht, stirbt am Ende der Staat.

Anmerkung der Redaktion: Die konkrete Belastung bei einer Gewinnentnahme hängt von der Rechtsform ab — bei der GmbH greifen Körperschaft- und Kapitalertragsteuer, bei Einzelunternehmern die Einkommensteuer. Die Aussage zur hohen Gesamtbelastung im Spitzenbereich trifft die Größenordnung. Georgiens territoriale Logik fußt auf Art. 104 des Tax Code of Georgia.

Das Estland-Modell — 15 Prozent nur auf Ausgeschüttetes, Reinvestition null. Was bedeutet das praktisch?

Jede Investition eines Unternehmers schafft Mehrwert: mehr Unternehmenswert, mehr Arbeitsplätze, mehr Umsatz. Davon profitiert nicht nur er, sondern das ganze System. Und dann soll er für genau diesen Mehrwert schon beim Investieren bestraft werden? Das Estland-Modell dreht das um: Wer reinvestiert, zahlt null. Besteuert wird erst, was entnommen wird. Meine Großeltern-Generation würde sich im Grab umdrehen angesichts dessen, was Bürgern hier heute zugemutet wird.

Dann die unbequemste Passage. Denn Georgien hat eine Schattenseite, die zu nennen ist: das international kritisierte „Foreign-Agent-Gesetz" von 2024, der eingefrorene EU-Beitrittsprozess, die von Russland kontrollierten Gebiete Abchasien und Südossetien. Wie passt das zu „rechtsstaatliche Alternative"?

Diese Punkte sind real, und ich beschönige sie nicht. Das Foreign-Agent-Gesetz wird im Westen scharf kritisiert, weil es auslandsfinanzierte Organisationen — NGOs und Medien — zur Registrierung verpflichtet. Das muss man wissen. Den EU-Beitritt hat Georgien faktisch zu den gebotenen Bedingungen nicht weiterverfolgt. Ich lese das als souveräne Entscheidung eines Landes, das sich von niemandem vereinnahmen lassen will — andere sehen darin ein Risiko. Beides ist legitim. Wer EU-Rechtssicherheit und Schengen braucht, ist in Georgien falsch. Wer einen souveränen Standort sucht, der mit allen redet und sich keinem unterwirft, ist richtig. Diese Abwägung muss jeder für sich treffen — und ich sage offen, für wen es deshalb nicht passt.

Es ist die ehrlichste Antwort des Gesprächs — und zugleich die, an der man Gottwalds Haltung am klarsten abliest: Er bewertet Georgiens Eigensinn als Stärke. Man muss diese Bewertung nicht teilen. Aber sie offen auf den Tisch zu legen, unterscheidet das Gespräch von jedem Hochglanz-Pitch. Wer die kritische Gegenperspektive auf Georgien und andere „Freiheitsparadiese" sucht, findet sie in unserem Faktencheck „Die große Fluchtillusion".

„Jede Medaille hat zwei Seiten. Nirgendwo glänzt es nur. Wer die Risiken verschweigt, lügt."

5. Die Wegzugsfalle — und warum die Großen sie nicht trifft

Hier wird Gottwald grundsätzlich. Auf die Frage, wie er einem Handwerksmeister mit GmbH die deutsche Wegzugsbesteuerung erklären würde, widerspricht er der Prämisse — mit einem nachvollziehbaren Argument.

Ich werde niemals öffentlich erklären, wie man das umgeht. Damit würde ich dem System helfen, seine eigenen Lücken zu schließen — und das tue ich nicht. Was ich sage, ist: Bei sauberer, vorausschauender Struktur entsteht der Schmerz gar nicht erst. Das machen wir rechtskonform, in Zusammenarbeit mit global führenden Häusern. Aber wer als Schadensbild durchs Land zieht, hat seine Arbeit nicht verstanden. Gewisse Dinge brauchen Zeit und Ordnung: erst denken, dann austauschen, dann kommunizieren, dann handeln.

Für den Leser sei dennoch festgehalten, worin die Falle besteht — denn vermeiden kann sie nur, wer sie kennt:

  • § 6 AStG (Wegzugsbesteuerung): Bei einer Beteiligung von mindestens einem Prozent an einer Kapitalgesellschaft unterstellt der deutsche Fiskus beim Wegzug eine fiktive Veräußerung der Anteile zum Marktwert. Besteuert wird ein Gewinn, der nie realisiert wurde. Seit 2025 ist die Regelung verschärft.
  • § 2 AStG (erweiterte beschränkte Steuerpflicht): Deutschland kann bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug auf bestimmte Einkünfte zugreifen.
Der Staat greift auf die natürliche Person zu, auf den Privatmenschen. Wie Beteiligungen und Gesellschaften darüber strukturiert sind, ist die entscheidende Frage. Genau hier haben sich die Großen so aufgestellt, dass die Regeln sie nicht treffen — während die Kleinen, die es nicht wissen, voll erwischt werden. Das System ist nicht gleich für alle. Es ist nur so gebaut, dass es so aussieht. Mein Antrieb ist, dem kleinen Unternehmer den Zugang zu verschaffen, den bisher nur Konzerne hatten.

Was die Leute am häufigsten falsch machen, sei der Reflex zur Eile:

Wovor ich jeden warne: schnell zum Handy greifen und irgendwo voreilig ein Auslandskonto eröffnen. Hochriskant — unabhängig davon, ob je ein Cent darüberläuft, sind allein die nachweisbaren Verbindungen ein Problem. Keine Schnellschüsse. Alles braucht ein Fundament. Erst die Hausaufgaben, dann die erste Handlung. Keiner von uns ist einzigartig — jedes Problem hatte schon jemand auf dieser Welt. Also gibt es auch schon irgendwo die Lösung. Wer das versteht, sieht keine Probleme mehr, sondern schlägt den Katalog der Lösungen auf.

Sein Mentor, erzählt Gottwald, habe ihm beigebracht, dass es neben Mutter und Vater zwei Menschen gebe, die im Berufsleben fast ebenso wichtig seien: den Rechtsanwalt und den Steuerberater. Doch die beiden allein machten es nicht.

Es braucht etwas darüber — eine Glocke, einen Dom, der sich über alles stülpt, der Anfang und Ende kennt und alle Beteiligten dazwischen orchestriert. Und ein Prinzip: Niemand — weder Anwalt noch Steuerberater noch der Staat — sollte je hundert Prozent wissen. Das Ziel ist nicht nur anzukommen, wo man hinwill, sondern dort auch unabhängig zu sein. Sonst fällt man nur von einer Eintreiberei in die nächste — von der Pest in die Cholera. Wir wollen das lebende, gesunde Paradies. Kein neues Gefängnis mit besserer Aussicht.

6. Für wen Georgien nicht ist — und wo die Grenze verläuft

Für wen ist Georgien die falsche Wahl?

Ich drehe die Frage um: Für wen ist Deutschland, Österreich, die Schweiz die richtige Wahl? Es geht mir nicht um Georgien statt Deutschland. Es geht nicht um Flucht. Es gibt Wege und Strukturen, in denen Deutschland, Österreich, die Schweiz und Georgien zusammenwirken — sodass man im richtigen Fall sein Heimatland gar nicht verlassen muss und trotzdem alles geordnet hat. Man muss das Ganze als Ganzes sehen. Wir sind nicht ein Land auf dieser Welt. Wir sind ein Land von vielen — und viele Länder sind alles, und alles ist die Welt.

Eine Grenze zieht er trotzdem — nur eine andere als erwartet.

Wer den Grundsatz Peace, Love & Harmony for more Humanity nicht in sich trägt — nicht nur in der Außendarstellung, sondern im Inneren, in den Prozessen, im Umgang —, mit dem arbeiten wir nicht. Egal, was er zahlt. Dann gibt es ein ehrlich gemeintes „alles Gute" — und ein klares Nein. Das steht für mich fester als das Amen in der Kirche.

Die häufigste Illusion, mit der Menschen zu ihm kämen, sei die der absoluten Freiheit.

Solange wir Steuern zahlen, solange es Auflagen und Paragrafen gibt, ist niemand vollkommen frei. Viele glauben, eine Umstrukturierung schenke ihnen schlagartig eine Freiheit, die sie nie hatten. Diese Illusion nehme ich ihnen. Aber wer wertekonform zu uns passt, dem zeigen wir Wege — und am Ende steht ein Gefühl von Freiheit und eine finanzielle Verfügbarkeit, die er vorher nie hatte.

7. „Ich reiche dir die Hand"

Zum Ende hin wird das Gespräch leiser. Die Frage, ob er nicht selbst ein Freiheitsverkäufer sei — nur mit Georgien statt Dubai —, kontert er ruhig.

Der Unterschied ist: Ich behaupte nie, ein anderes Land sei die Lösung. Es geht nicht um Georgien statt Dubai oder Deutschland statt irgendwo. Es geht um Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit. Jeder hat einen Ursprung, etwas, das er Heimat nennt. Den einen zieht es fort, der andere bleibt gern. Das Ziel ist, sich das Leben so gestalten zu können, dass man frei entscheidet, wo man lebt. Angekommen ist man, wenn man verstanden hat: Man darf sein, wo man will.

Was die 111 Euro von einer beliebigen Broschüre aus dem Netz unterscheide, sei nicht die Information — es sei die Tiefe.

Es geht darum, in der selbst gewählten Heimat ein freies Leben mit voller Selbstbestimmung zu führen — mit dem maximalen Ertrag aus dem kostbarsten Gut, das man hat: der eigenen Zeit. Und der Ertrag soll dort landen, wo er hingehört. Siebzig Prozent plus minus sollten bei dir bleiben, nicht beim Staat. Kapital ist Handlungsfähigkeit. Handlungsfähigkeit ist Freiheit. Wer kein Kapital hat, hat keine Handlungsfähigkeit — und damit keine Freiheit.

„Kapital ist Handlungsfähigkeit. Handlungsfähigkeit ist Freiheit. Das ist reine, pure Freiheit."

Bleibt die Frage, die alle umtreibt: Was, wenn Georgien morgen sein Modell kippt? Hier hat Gottwald ein Argument, das nicht auf Vertrauen beruht, sondern auf Gesetz.

Georgien selbst schützt davor. Der Staat hat jedem, der heute gründet, eine Garantie gegeben: Die Gesetzgebung, die am Gründungstag gilt, bleibt für ihn zehn Jahre bestehen. Wer im Juni unterschreibt, unterschreibt zu den heutigen Paragrafen — mit zehn Jahren Sicherheit. Das nennt man Commitment. Darauf baut man Vertrauen, daraus entsteht Stabilität, daraus Handlungsfähigkeit, daraus Freiheit.

Das ist überprüfbar: Das georgische Investitionsschutzgesetz (Law of Georgia on Promotion and Guarantees of Investment Activity) hält fest, dass ein neuer Gesetzesakt, der die Investitionsbedingungen verschlechtert, für bereits getätigte Investitionen zehn Jahre lang nicht greift — der Investor führt seine Tätigkeit nach dem zuvor geltenden Recht fort.

Was ist die unbequemste Wahrheit über Ihr eigenes Geschäft?

Ich habe so etwas nicht. Was mir als Widerstand begegnet ist, war für mich nie ein Widerspruch, sondern ein Prozess des Lernens. Wer fragt, bekommt eine ehrliche Antwort. Und wenn sich im Nachhinein doch etwas als Widerspruch zeigt, bin ich der Erste, der es zugibt. Aber dann war es Teil des Weges, der mich überhaupt dahin gebracht hat, wo ich heute stehe — und der mich befähigt, über Dinge zu sprechen, die andere nicht wissen.

Am Ende, gefragt nach dem einen Satz, mit dem der Leser herausgehen soll, wird er fast still.

Ich habe es selbst erlebt. Ich habe es gefühlt. Ich habe es durchgemacht. Deshalb habe ich Lösungen gefunden. Und ich reiche dir gern einfach die Hand. Den Rest wird man sehen. Vom Herzen.

— Mathias Gottwald, Patron · GOTT WALD Holding LLC

„Wir alle — vom Baby, das eine Sekunde alt ist, bis zu dem, der in einer Sekunde stirbt — tragen denselben Wunsch in uns: ein glückliches, geliebtes, lebendiges, harmonisches und friedliches Leben in Erfüllung erleben zu dürfen. Mit allem, was dazugehört — und ohne all das, was man nie braucht. Wer dafür die passende Lösung findet, erlebt wahre Freiheit. Dann ist man angekommen. Dann ist man mental frei."

Theresa Falk schreibt über internationale Steuerstrategien, Souveränität und Unternehmertum im Auftrag der GOTT WALD Holding LLC.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerliche und gesellschaftsrechtliche Gestaltungen sind stets einzelfallabhängig und gehören in fachkundige Hände. Aussagen einzelner Gesprächspartner geben deren persönliche Einschätzung wieder.

Quellen: Tax Code of Georgia (Art. 79, 82, 104); Law of Georgia on Promotion and Guarantees of Investment Activity (UNCTAD Investment Laws Navigator); § 6 und § 2 Außensteuergesetz (AStG), Jahressteuergesetz 2024; UAE Federal Decree-Law No. 47 of 2022 (Körperschaftsteuer seit 01.06.2023); Times of Israel / Jerusalem Post zum trilateralen Abkommen Israel–Griechenland–Zypern (Dezember 2025); DFM-Handelsdaten / Marktberichte Q1 2026; KSV1870, OECD, UNCTAD (2024–2026).

Häufige Fragen

Ist Georgien wirklich „komplett steuerfrei"?

Nein. „Komplett steuerfrei" ist eine Lüge. Georgien besteuert territorial: Passives Auslandseinkommen bleibt in der Regel steuerfrei. Aber aktive Arbeit, die physisch in Georgien geleistet wird, gilt nach Art. 104 des georgischen Steuergesetzes als georgische Quelle und ist steuerpflichtig — auch wenn der Kunde im Ausland sitzt und das Geld nie nach Georgien fließt. Wer pauschal „0 %" verspricht, sagt nicht die Wahrheit.

Was ist die 1-%-Steuer in Georgien — und für wen gilt sie nicht?

Der Kleinunternehmer-Status („Small Business Status") besteuert den Umsatz mit 1 % bis zu einem Jahresumsatz von 500.000 GEL; darüber werden es 3 %. Er gilt nicht für jede Tätigkeit — ausgeschlossen sind unter anderem Glücksspiel, verbrauchsteuer- und lizenzpflichtige sowie bestimmte beratende und Bau-Tätigkeiten. Ob eine Verlagerung Sinn ergibt, hängt vom Einzelfall ab. (Tax Code of Georgia, Art. 79, 82)

Was ist die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG?

Bei Wegzug eines Gesellschafters mit mindestens 1 % Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft unterstellt der deutsche Fiskus nach § 6 Außensteuergesetz eine fiktive Veräußerung der Anteile zum Marktwert — es wird also ein nie realisierter Gewinn besteuert. Seit 2025 ist die Regelung verschärft. Hinzu kommt § 2 AStG (erweiterte beschränkte Steuerpflicht): Deutschland kann bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug auf bestimmte Einkünfte zugreifen.

Wie sicher ist Georgiens Steuermodell langfristig?

Das georgische Investitionsschutzgesetz (Law of Georgia on Promotion and Guarantees of Investment Activity) hält fest, dass ein späterer Gesetzesakt, der die Investitionsbedingungen verschlechtert, für bereits getätigte Investitionen zehn Jahre lang nicht greift — der Investor führt seine Tätigkeit nach dem zuvor geltenden Recht fort. Das ersetzt keine individuelle Beratung, ist aber ein gesetzlich verankerter Bestandsschutz.

Ist Georgien nicht ein rechtsstaatliches Risiko (Foreign-Agent-Gesetz, EU-Beitritt)?

Diese Punkte sind real und werden im Gespräch nicht beschönigt: das international kritisierte „Foreign-Agent-Gesetz" von 2024, der faktisch nicht weiterverfolgte EU-Beitrittsprozess und die von Russland kontrollierten Gebiete Abchasien und Südossetien. Wer EU-Rechtssicherheit und Schengen braucht, ist in Georgien falsch. Wer einen souveränen Standort sucht, der mit allen redet und sich keinem unterwirft, kann richtig liegen — die Abwägung muss jeder selbst treffen.

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